Es ist immer wieder interessant zu sehen wie sich ein Buchgenre mit der Zeit verändert. Das Genre nimmt man wohl durch Alter, den verschiedenen Untergenres und noch anderen Eindrücken anders wahr. Genau deswegen habe ich mir zwei liebe Menschen herausgepickt und mit ihnen mal über das Genre Fantasy geredet.
Für die Bloggeraktion vom Arena Verlag habe ich „Die Clans der Seeker: Die Stunde des Fuchses“ als Beispiel genutzt, um typische und untypische Fantasybestandteile zu diskutieren.
Ein Seeker zu sein, bedeutet Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und die bösen Menschen auszuschalten, die den anderen etwas antun wollen. Dafür müssen die Protagonisten hart trainieren und in der Nacht der Nächte ihren Eid ablegen.
Gängiges Fantasy wird von Viellesern ungern gesehen, da man einfach nicht mehr überrascht wird. Dennoch wurde in einem Fantasyforum darüber diskutiert, dass Fantasy die Leser eben nicht überraschen sollen. Die Geschichte soll leicht vorhersehbar sein, damit wohl das „einfache Lesen“ und somit auch die Entspannung gegeben wird. Zu viel Neues schreckt die Leute ab. Vielleser merken schnell, ob die eine Geschichte einer anderen ähnelt. Dadurch werden die Pfade dessen, was im Fantasygenre wirklich „funktioniert“ einfach ausgetrampelt und somit zunehmendst langweilig. Dabei ist es eigentlich überaus wichtig, dass diese funktionierenden Ideen aus einem neuen Blickwinkel dargestellt werden.
Dreiecksbeziehungen
Behauptung: Die Konstellation, dass es ein Mädchen gibt und zwei Jungs sich um dieses reißen, find ich irgendwie total typisch für Fantasybücher. Auch, dass ein entfernter Verwandter dieses Mädchen toll findet, ist irgendwie typisch.
Die Figuren brauchen in dem Buch eine gewisse Dreidimensionalität, sonst werden sie einfach zu „lasch“ dargestellt. Wir kamen auch zum Sprechen gegenüber Liebesgeschichten in Fantasygeschichten.
Mir stellte sich die Frage: „Brauch ein gutes Fantasybuch eine Liebesgeschichte?“
Brauch sie eben nicht, denn ein Buch kann auch gut sein, wenn es um emotionale Themen geht, die nicht direkt mit einer Liebschaft von zwei Menschen zu tun hat. Spannung und Unterhaltung kann nämlich auch anders auf- und ausgebaut werden.
Es braucht ein eigenes Kapitel – Das Cover
Ich hatte mir im Laufe des Nachdenkens mal das Cover zu „Die Clans der Seeker: Die Stunde des Fuchses“ genauer angeschaut. Für mich hat das Cover im Hinblick auf den Inhalt keinen richtigen Zusammenhang. Es kommen zwar alte, magische Waffen vor, dennoch finde ich das Cover irgendwie nichtsaussagend. Für mich ist es zwar eine Augenweide durch die schönen Blautöne, aber dennoch nichts Tiefgehendes. Die Landkarte und die Skyline lassen für Interpretationen offen. Ehrlich gesagt finde ich das aber zu „offen“. Das Cover kommt bei Ellen genauso wie bei Evanesca blass rüber und hat für sie kein starkes Motiv.
Für Bücher sind Cover ausschlaggebend, denn es ist schwierig, wenn ein guter Inhalt schlecht präsentiert wird. Aber das Cover hat sowieso allgemein ein eigenes Diskussionsforum verdient, wenn ich ehrlich bin. Viele lassen sich angeblich von dem Cover des Buches nicht leiten, aber dennoch ist es das Erste, was man im Endeffekt wahrnimmt. Wir selbst assoziieren sofort, ob die Geschichte für uns interessant sein könnte und das Buch auf den eigenen Geschmack zugeschnitten ist. Dabei ist das Cover für den ersten Eindruck unverzichtbar. Schade nur, dass viele – egal, ob Verlag oder Selfpublisher – das Potential des Covers nicht wahrnehmen und etwas Zusammenhangsloses miteinander vereinen und so das Potential der Geschichte und den Verkauf des Buches erschweren.
Sind viele verschiedene emotionale Themen nicht hinderlich?
In letzter Zeit lese ich viel mehr Fantasy als alles andere, was mich im Hinblick auf dieses Thema sensiblisiert hat. Ich habe oftmals das Gefühl, wenn der Autor versucht über viele verschiedene Themen zu schreiben und dann noch versucht die Liebe mit einzubringen, um „Auflockerung“ zu schaffen, dass er sich dann einfach überschätzt hat und es am Ende zu einem zusammengewürfelten Haufen kommt.
Es ist gar nicht so einfach ein ausgewogenes und gutes Fantasybuch zu schreiben. Dabei ist es wirklich wichtig, dass man sich auf wenige Themen begrenzt. So kann man viel besser in die Tiefe der Geschichte und der einzelnen Themen gehen. Ich habe hier die Gefahr gesehen, dass endlose Beschreibungen der Umgebung und Gefühle einen übermannen könnten und die Geschichte somit langweilig wird. Evanesca meinte hierauf, dass man erst nach und nach einen richtig guten Schreibstil erlangt. Dabei muss man alles aus der Schule Gelernte über den Haufen werfen und eben noch einmal neu anfangen und üben.
Machen wir einen Fortschritt auf dem Fantasymarkt?
Der Fantasymarkt hat sich im weitesten Sinne nicht verändert, nur muss man eben für sich selbst gutes Fantasy vom schlechten unterscheiden. Das sind aber alles – wie meistens – Geschmäcker, die eben verschieden sind. Im Hinblick auf die Liebesgeschichten im Fantasygenre, hat Evanesca etwas sehr Wichtiges gesagt. Das Fantasy von heute (zum Beispiel Twilight) ist für sie ein Rückschritt als ein Fortschritt.
„Im Gegensatz dazu verkörpert Bella – die immer beschützt, gestalkt, kontrolliert und von Edward dominiert werden will – für mich einen Rückschritt in eine Kultur, in der Frauen an den Herd verbannt werden. Und sehr viel Romantasy geht in diese Richtung. Das beunruhigt mich und natürlich frage ich mich, wieso so viele junge Mädchen sich mit solchen Figuren identifizieren können. Ich kann es nämlich nicht.“
Die Filmindustrie mit ihren Literaturverfilmungen
Wie stark ist eigentlich der Einfluss der Filmindustrie auf uns Menschen? Wichtig ist hier, dass es viele Bücher gibt, die verfilmt werden. Ich denke, dass vor allem bei der Generation, die nicht wirklich lesen ein Zeichen gesetzt wird und das nicht immer im positiven Sinne. In dem Fantasygenre werden sich eben Sachverhalte/Orte und anderes ausgedacht und das bringt diese Generation irgendwie auf einen falschen Pfad. Sie wissen dann oftmals nicht, dass dieser kleine ausgedachte Weg nichts gemein mit der realen Welt hat.
„Die Filmindustrie hat viel Einfluss genommen darauf, was die Leute denken, was begehrter Lesestoff ist und viele gute Ideen geben auf halber Strecke aus den verschiedensten Gründen auf.“
Werden wir durch Fantasy mehr verändert als von „Hochliteratur“?
Für mich war es auch wichtig zu erfassen, ob Fantasy einfach nur Unterhaltung ist, uns in eine andere Welt katapultiert oder uns Leser sogar ein Stück beeinflusst und verändert. Oftmals wird eine Welt ausgedacht, in der alles besser oder schlechter, aber im Allgemeinen einfach anders ist. Auch wenn ein solches Buch einen verzaubern soll, liegt in jeder Geschichte eine tiefere Botschaft
„[…] ein Fantasyroman mehr über die Realität aussagt, als so manches Stück „Hochliteratur“ und wichtige Botschaften gut verpackt und massentauglich vermitteln kann.“
Die Frage um die beliebten Fantasyreihen
Das Buch „Die Clans der Seeker: Die Stunde des Fuchses“ ist der erste Teil einer Reihe und auch hier gibt es wieder Fragen über Fragen. Ich dachte nach und kam zu dem Entschluss, dass der zweite Teil einer Trilogie wohl der schwierigste von allen ist, aber auch hier wurden Gedanken hinzugefügt und ließen mich daran zweifeln. Der erste Teil muss den Leser überhaupt zum Lesen der Reihe anlocken – der Autor muss den Leser von seiner Geschichte, dem Schreibstil und allem drumherum überzeugen. Das ist wohl am schwierigsten, damit man nicht schon von seinem ganzen Schießpulver verbraucht und die darauffolgenden Bände nicht langweilig werden.
Genau das habe ich ein bisschen bei „Die Tribute von Panem“ gemerkt, denn der erste Band war toll und den zweiten fand ich sogar noch viel besser, einfach weil man als Leser schon in dieser Materie drin war. Der dritte Teil dagegen war einfach nur mit der Überschrift „Mach es irgendwie total dramatisch, krass und lass irgendwen sterben, der wichtig war!“ beschrieben.
Ich möchte mich ganz herzlich bei Evanesca und Ellen bedanken, dass sie mir mit ihren Gedanken und mit ihrem überaus großen Wissen im Hinblick auf Fantasy beigestanden haben. Nur dadurch konnte ich hier einen schönen Beitrag zusammenfassen. Mir hat das viel Spaß gemacht und ich hoffe, dass wir uns weiterhin austauschen können!
Evanesca
Ellen
Das Bild ist von Simon Turkas
Hallo Sarah, ich würde Tribute von Panem nicht als Fantasy zählen, sondern als Dystopie. Die Clans der Seeker kenne ich nicht, da kann ich nichts dazu sagen. Und auch nicht alle Fanatsyromane kann man über einen Kamm scheren, da gibts viele unterschiedliche. Vielleicht erörtere ich das mal in einem Blogartikel. Steht zumindest schon auf meiner to-do Liste. Aber sonst ist das ein schöner Beitrag.
gr. eva
Hey Eva!
Die Tribute von Panem sind definitiv im Genre Dystopie, aber für mich haben Dystopien so unglaublich viel mit Fantasy zu tun. Man denkt sich die Welt einfach weiter aus. Wie wird es später sein? Ähnlich ist das mit Fantasy. Dort gibt es auch Fantasiewesen und wer will wirklich wissen, ob es später Jägerwespen gibt oder nicht? 😮
Das stimmt, das hat mir zum Glück auch Evanesca klargemacht 😀 Ich hab nur in meiner „Nische“ Fantasy Ahnung und eine Meinung.
Das fänd ich toll! Sag mir einfach nur Bescheid, dann kann ich diesen ja hier mit verlinken 🙂 Dankeschön! ♥
Liebe Grüße,
Sarah
Ich habe den Artikel gern gelesen und ich habe gern dazu beigesteuert *g*.
Das freut mich sooo *-*
Danke, dass du dabei warst und es möglich gemacht hast, dass ich diesen Artikel überhaupt schreiben konnte! Du bist das wandelnde Lexikon für Fantasy – definitiv!