Denken ohne hinzuschauen

Die Meinungsbildung ist für mich etwas ganz Wichtiges, denn ohne sie könnte ich euch gar nichts auf diesem Blog erzählen. Ich könnte weder Rezensionen, noch Worte zu der jetzigen politischen Lage finden. Ich würde wie eine Hülle mit leerem Inhalt sein. Dafür müssten wir mal anfangen zu denken. Zu behaupten, dass wir es heutzutage wohl einfacher haben etwas zu kopieren, nachzumachen oder es sogar zu klauen, ist wohl keine Neuigkeit. Schade wie ich finde, denn in jedem Menschen steckt so viel Neues und vielleicht auch schon längst vergessene Gedanken, die so wieder in einer Unterhaltung ein bisschen Pepp in die Stube bringt. Ich hatte erst vor ein paar Tagen über dieses Thema nachgedacht, denn ich habe schon von einigen Bloggern gehört, dass hier und da etwas geklaut wird. Seien es Ideen, die vollständig kopiert werden oder sogar die ganzen Rezensionen. Dass wir Ideen von anderen immer weiter entwickeln ist vollkommen normal, da es alles eben schonmal auf dieser Welt gab. Aber selbst in der Schule wollten sich die Lehrer wegen des Internets viel mehr absichern, indem sie die Quellen aus dem Internet wollten. Sogar unsere Texte, die wir abgeben sollten, haben sie im Internet eingegeben, damit dies nicht geklaut war. Hin und wieder wurde dann doch der ein oder andere mit einer 6 abgefertigt, da es schlicht und einfach kopiert war. Einfach, weil wir nicht mehr denken wollen oder können? Ist das nicht irgendwie traurig?

Altbekannter Datenklau

Datenklau gibt es schon seit es die Menschheit gibt, würde ich mal behaupten. Wo fangen Daten überhaupt an, die für uns so wichtig sind, dass sie nicht jeder wissen sollte und geschützt werden müssen? Heute werden unsere Daten wahrscheinlich noch viel einfacher geklaut, ohne dass wir mit dem vollen Bewusstsein diesen „Verlust“ spüren. Das Internet vergisst nie und dabei ist zu sagen, dass nicht nur Facebook ein Bösewicht ist, sondern auch sonst alle anderen Anbieter und Dienste im Internet. Aber nicht nur das Internet klaut unsere Daten. Nein, auch jedes Abo, das wir abschließen oder wo wir jemals angerufen haben, klaut unsere Daten und gibt sie weiter. Hat man da nicht noch mehr Angst um seine eigene Anonymität? Gibt es diese überhaupt noch im Internet und wenn ja, bis zu welchem Grad? Warum bekommst du wohl aufeinmal von Firma XYZ einen Newsletter? Wer hat wohl deine Email-Adresse weitergegeben? Am Ende kann keiner von uns wirklich nachvollziehen von wem oder was unsere Daten weitergegeben wurden. Hierbei sollten wir nicht den Firmen die Schuld geben, sondern uns selbst sagen: Wir sollten uns nicht überall anmelden und Daten weitergeben. Einfach mal vorher denken!

Rezensionsklau wieder vollkommen IN?

Der kleinere Datenklau der bei den Buchbloggern hin und wieder in Gesprächen vorkommt, ist der Rezensionsklau. Da muss ich wirklich mal meine Gedanken loslassen, denn ich bin in meinem Leben noch nie auf solchen Mist gekommen. Wie kann man denn bitte so drauf sein und anderer Leute ihre Meinung „klauen“ und sie als die eigene auszugeben? Irgendwie komm ich da auch auf keinen richtigen Grund, der gerechtfertigt werden könnte. Dass ich hin und wieder mir selbst Druck und Stress mache, was die Rezensionsbücher angeht, die in meinem Bücherregal immer noch nach mir rufen, kenne ich gut. Bisher ist mir aber deswegen nicht einmal eingefallen, dass ich das Buch nicht lesen müsste, wenn ich mir einfach eine Rezension klaue. Ehrlich gesagt: Dann machts doch gar keinen Sinn, dass ich das Buch haben wollte? Wisst ihr was ich meine? Das macht alles gar keinen Sinn und ist völlig daneben.

Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, taugen beide nichts.
– Konrad Adenauer

Meinung beeinflusst durch kostenlose Produkte

Selbst einige der Buchblogger kommen sich komisch vor, wenn sie ein Rezensionsexemplar nicht gut fanden, dass sie dieses eigentlich negative Feedback abgeben sollten. Was ich hier gar nicht verstehen kann, warum denken sie so? Warum beeinflusst es manche Menschen, dass sie bei Rezensionsexemplaren immer gute Rezensionen schreiben müssen? Ich für mich stecke da in keinem Zwiespalt, denn eine Meinung kann sich der interessierte Leser aus verschiedenen Meinungen bilden. Eine negative Meinung hilft dem potenziellen Leser ungemein, da er sich so meist mehrere Meinungen anschaut, um seine Entscheidung zu fällen. Ich bin da immer frei von der Leber weg, denn wenn mir was nicht gefällt, dann sag ich das und halte das nicht zurück, nur weil ein Verlag „hofft“, dass es mir zusagt und ich das auch in einer Rezension so aussagen werde. Vor allem: Wie langweilig wäre das denn, wenn ein Blog ausschließlich atemberaubend gute Rezensionen hätte?

Dass sogar einige Booktuber sowie auch Buchblogger unter ihren Rezensionen kennzeichnen, dass ihre Meinung trotz des Reziexemplars nicht beeinflusst wurde, macht mich traurig. Nur so werden sie vielleicht ernst genommen oder warum ist das so? Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, dass derjenige so ehrlich ist und das dies seine ehrliche Meinung ist. Vielleicht surf ich da ein wenig blind durchs Netz, aber für mich ist es selbstverständlich.

Sind wir meinungsfaul geworden?

Da stellt sich mir im detailiertesten die Frage, ob wir meinungsfaul geworden sind. Haben wir etwa keinen Bock mehr selbst zu denken? Es fing damit an, dass wir Bücher in der Schule lesen mussten, sie uns nicht gefielen und wir eine Inhaltsangabe schreiben sollten. Dass wir eventuell daraufhin im Netz nach Antworten für diese gesucht haben und diese in unseren eigenen Worten formuliert haben, war das Eine. Aber das wir irgendwann anfangen sogar eigene Meinungen zu kopieren, weil wir zu faul geworden sind oder etwa nur zu bequem, ist meiner Meinung nach schlimm.

Schon allein die Frage „Was will ich am Wochenende essen?“ ist für viele eine Überforderung, die mit einem einzigen Stöhner abgetan wird. Stört irgendwer oder irgendwas die Meinungsbildung? Vielleicht ist der Grund, der, das wir unsere Meinung abgeben und sie nicht akzeptiert wird? Vielleicht sind wir auch nicht mehr so diskutierfreudig wie früher? Haben wir es satt, dass wir keine richtigen Diskussionen mehr führen können, weil es eben kein aufeinander Zukommen mehr gibt?

Es ist keine Kunst, etwas kurz zu sagen, wenn man etwas zu sagen hat.
– Georg Christoph Lichtenberg

Was meint ihr? Sind wir meinungsfaul geworden und könnt ihr euch erklären warum so viele Meinungen geklaut oder kopiert werden?

Das Bild ist von Antoine Camelin