„TEO“ ist eines der Geschichten, die ich nie – wirklich NIE – wieder vergessen werde. Diese Geschichte brannte sich so in mein Hirn als ich sie an einem Tag während der Busfahrt, beim Zahnarzt im Wartezimmer und in meinem Zimmer auf meinem Bett in mich einsog. Jedes Wort und jeder einzelne Gedanke des kleinen Teos waren einfach so herzzereißend, sodass mich das Ende tierisch zum Heulen brachte, auch wenn ich nicht weinen wollte.

Teo ist 8 Jahre alt und seine Eltern streiten sich nur noch. Für ihn und seine Schwester ist das eine Belastung, wie man sich gut vorstellen kann. Seine Schwester findet das alles irgendwie total „scheiße“, aber Teo möchte seinen Eltern helfen. Als er an seinem Geburtstag ein tolles Geschenk bekommt, hat er die Idee: Es ist ein Buch, das von Napoleon handelt und der ja bekanntlich alle Schlachten gewann. Der kleine Teo möchte bei jedem herausfinden, ob er Napoleon kennt oder ob er sich die eine oder andere Frage, die er ihnen stellt, beantworten kann.

»Mal fängt Mama an, mal Papa. Sie streiten nur noch. Und keiner der beiden gewinnt, denn gewinnen bedeutet Frieden schließen, und sie schließen niemals Frieden.« [Seite 17]

Sein Weg dahin ist, dass er sich am dreizehnten Tag ins Jenseits bringen möchte. Da Napoleon tot ist, denkt sich Teo, dass er „unsichtbar“ werden muss, was hier sterben heißt. Für mich ist dieser Gedanke einfach dermaßen unfassbar, dass ich einfach nur Gänsehaut kriege, sobald ich daran denke. Die Trennung meiner Eltern stand nämlich damals auch fast bevor und ich verstehe Teo einfach so gut, dass er in irgendeiner Art und Weise seinen Eltern helfen will, doch dass er solche Wege einschlagen will, ist für mich so rührend und traurig zugleich.

»Ich habe sie noch fester umarmt und meinen Kopf auf ihr Herz gelegt. So tröstet man Menschen.« [Seite 108]

Lorenza Gentile hat diese Geschichte nur in ein solch tolle Form gebracht, dass man nicht das Gefühl hat, Teo hätte ernsthafte Selbstmordgedanken. Irgendwie ist der Schreibstil so federleicht, genauso wie die Gedanken des kleinen Hauptprotagonisten. Die Gedanken eines Kindes sind einfach so unberührt, ehrlich und tiefgründig. Fragen, die sich kaum ein Erwachsener noch stellt, da es so viele andere gibt. Nur, dass Teo sich genau die Fragen stellt, die die Erwachsenen von ihren schwierig zu beantwortenden Fragen wegbringt.

»Und ich war ja kein Dummkopf, ich wusste, dass es nur einen Weg gab unsichtbar zu werden. Dafür muss man sterben. […] doch jetzt wusste ich ja, dass Sterben nichts Schlimmes war, es bedeutete nur, in einer Welt weiterzuleben, die man nicht sehen konnte.« [Seite 152/153]

Obwohl es so dünn ist und nur 200 Seiten besitzt, sollte „TEO“ nicht unterschätzt werden. Die vielen Fragen und das Betrachten der großen Dinge mit Kinderaugen, ist einfach unbezahlbar. Es ist einfach so leicht, philosophisch einzigartig und öffnet einem sanft die Augen und zeigt einem das Wichtigste im Leben. Trotz der schwerwiegenden Themen ist es superleicht zu lesen und ich hatte es schneller weggelesen als ich wollte.

»Das Geheimnis ist, dass man niemals glauben darf, man wäre zu klein. […] Man muss sich im Leben immer groß genug fühlen, genau das braucht man.« [Seite 193]

„TEO“ ist eine Bibel, die einem die Augen öffnet. Mit den schwierigen Themen des Lebens haben wir alle zu kämpfen und Teo deckt uns diese noch einmal auf und versucht sie mit seinem Blick dafür zu erklären. Das ist bemerkenswert. Für mich hat dieses Buch etwas mit Genialität, Unverbrauchtheit und Perfektion der Unvollständigkeit zu tun. Ein Herzensbuch, das man definitiv nicht mehr vergessen wird.

Dafür würde ich liebend gern 100 Herzen vergeben und vergebe genau deswegen 5 von 5 Herzen, mit einer Empfehlung, bei der mein Daumen nach oben schießt und ich nickend grinse wie ein Honigkuchenpferd.

»Soll ich dir die Wahrheit sagen? Was zählt, ist nicht siegen oder verlieren. Niemals aufgeben, das zählt.« [Seite 190]


TEO
Autor: Lorenza Gentile
Verlag: dtv Verlag
200 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-423-28051-8
Preis: 18,90€ [D]
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»»›Werde nie erwachsen, Teo‹ flüsterte sie. Ich habe sie noch fester umarmt und meinen Kopf auf ihr Herz gelegt. So tröstet man Menschen.«

Teo ist ein achtjähriger Junge, dessen Familie zerbricht. Seine Eltern stecken in einer schweren Ehekrise, die ältere Schwester, Matilde, reagiert auf ihren Schmerz mit Wut, und Teo versucht, wie Kinder das oft tun, wenn sie überfordert sind, das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Sein neues Lieblingsbuch ist ein Comic über Napoleon. Hatte der nicht einst alle Schlachten gewonnen? Vielleicht sollte er ihn fragen, wie man das macht? Aber Napoleon ist tot … Ein Roman wie ein modernes Märchen, für Menschen jeden Alters. Teo will begreifen, was die Welt im Innersten zusammenhält und stellt fest: Man kann von anderen immer etwas lernen, wenn man sie nur an sich heranlässt; er erfährt, wie grausam Schweigen sein kann, und er berührt das Geheimnis des Todes. Die Kernfrage ist: Wie viel willst du für die riskieren, die du liebst? Teo hat keine Zweifel: Alles.«


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